Das Jahr der Wale Schauplätze: Die echten Orte an Kanadas Westküste
Einsame Fjorde, nebelverhangene Regenwälder, die Kraft des Pazifiks und der Gesang der Buckelwale kennzeichnen den Roman »Das Jahr der Wale« von Kelly Anderson. Die Autorin nutzt die Geografie der kanadischen Provinz British Columbia nicht nur als Hintergrund, sondern lässt die Natur als eigenständigen Faktor die Handlung steuern. Wer beim Lesen die salzige Meeresluft spüren möchte, findet hier den Vergleich zwischen den realen Schauplätzen und den fiktiven Orten der Geschichte.
Die wichtigsten Dreh- und Angelpunkte der Handlung im Überblick
Die Handlung von Kelly Andersons Roman "Das Jahr der Wale" erstreckt sich über Tausende Kilometer entlang der nordamerikanischen Pazifikküste. Neben realen Orten in Kanada und Nordamerika existieren fiktive Küstendörfer, die traditionelle Elemente der Region aufgreifen.
1. Tofino und die Kaskadische Subduktionszone
Der Roman beginnt mit einer Naturkatastrophe: Ein Erdbeben der Stärke 9,0 erschüttert die Küste und löst einen Tsunami aus. Das Epizentrum liegt im Buch rund 150 Kilometer westlich der Kleinstadt Tofino.
Tofino liegt an der Westküste von Vancouver Island und ist bekannt für weite Sandstrände, Surfspots, alte Regenwälder sowie Walbeobachtungen. Geologisch beruht die Handlung auf der Kaskadischen Subduktionszone.
Diese rund 1.000 Kilometer lange Bruchlinie in der Erdkruste reicht vom Norden Vancouver Islands bis nach Kalifornien.
Im Roman bildet die geologische Aktivität den Auslöser für die Ereignisse im Leben der Figuren.
2. Hecate-Straße und Dean Channel (Central Coast)
Für die Protagonistin Annie MacLeod, die auf dem Segelschiff Amphitrite aufwächst, bildet das Meer den zentralen Lebensraum.
Ihre Fahrten führen an entlegene Orte im Norden von British Columbia:
- Die Hecate-Straße: Großonkel Henry fischt mit seinem Kiemennetz-Kutter in der Hecate-Straße.
Diese Meerenge liegt zwischen dem kanadischen Festland und dem Archipel Haida Gwaii.
- Dean Channel: Nachdem der Tsunami die Sägewerke an der Küste zerstört hat, nimmt ein Sägewerk tief im Fjord des Dean Channel den Betrieb wieder auf.
Diese Gewässer gehören zur Region des Great Bear Rainforest, einem der größten zusammenhängenden gemäßigten Regenwälder der Erde.
3. Fiktive Schauplätze: Hale’s Landing und Jenny Inlet
Neben realer Geografie nutzt die Autorin fiktive Schauplätze, die typische Merkmale der Region bündeln:
- Hale’s Landing: Das Fischer- und Holzfällerdorf liegt an einer geschützten Bucht.
Es repräsentiert die Infrastruktur kleiner Küstenorte mit Schwimmstegen, Fischverarbeitung und dem Holzbetrieb Hale Timber.
- Jenny Inlet: Diese Meeresarm-Biegung dient den Figuren als Ankerplatz und Orientierungspunkt während ihrer Segeltörns.
4. Vancouver und die Georgia-Straße
Als urbaner Gegenpol zur Natur führt die Geschichte nach Vancouver:
Die Georgia-Straße (Strait of Georgia) liegt zwischen Vancouver Island und dem Festland.
Im Roman schützt diese Lage die Stadt vor Teilen des Tsunamis, während flache Meeresarme wie False Creek und der Stadtteil Yaletown von Überschwemmungen betroffen sind.
Das historische St. Paul’s Hospital im Zentrum von Vancouver bildet im Verlauf der Handlung einen weiteren zentralen Anlaufpunkt für Annies Familie.
5. Migrationsroute der Buckelwale Kanada bis Baja California
Die Route des Segelschiffs Amphitrite beschränkt sich nicht auf Kanada.
Während des Winters segelt die Familie entlang der US-Westküste über San Diego und La Jolla bis nach Baja California in Mexiko.
Der Verlauf entspricht der jährlichen Wanderung der Pazifischen Buckelwale, die in den kalten Gewässern des Nordens fressen und im Winter in den wärmeren Gewässern des Südens ihre Kälber gebären.