Im Gespräch

Das Jahr der Wale: Kelly Anderson über ihren bewegenden Roman

Was steckt hinter "Das Jahr der Wale"? Kelly Anderson erzählt im Interview von den Ideen, Emotionen und Erfahrungen, die ihren Roman geprägt haben und gibt spannende Einblicke zum Buch.

Porträt der Autorin Kelly Anderson neben dem Cover ihres Romans

Ein tiefgründiges Gespräch über Liebe, Verlust und das Meer

»Bezaubernd. Die Geschichte erinnert uns daran, dass das Unmögliche manchmal möglich ist.«Jodi Picoult

Ein Tsunami, der alles verändert. Eine junge Frau zwischen der Sicherheit an Land und der ungezähmten Sehnsucht nach dem Ozean. Und eine Begegnung, die tief im Herzen nachhallt: Mit ihrem Roman "Das Jahr der Wale" hat die Autorin Kelly Anderson ein berührendes Debüt geschaffen, das die Schönheit und Verletzlichkeit der Natur spürbar macht.

Im Zentrum der Geschichte steht Annie MacLeod, deren Leben durch eine Schicksalsnacht erschüttert wird. Als ein Tsunami ihre Heimat erschüttert, verliert sie ihre Eltern – und rettet gleichzeitig den stummen Walker aus den Fluten. Zwischen Evan, der Geborgenheit verspricht, und Walker, zu dem sie eine unerklärliche Magie verbindet, muss Annie herausfinden, wo ihr Herz wirklich zu Hause ist.

Wir haben mit der Autorin Kelly Anderson über ihr Buch "Das Jahr der Wale" gesprochen.

Ab dem 01.09.2026 erhältlich!

Fast Facts: Über die Autorin Kelly Anderson

🐋 Autoren-Steckbrief: Kelly Anderson
🌊 AutorinKelly Anderson
💧 Aktueller RomanDas Jahr der Wale 
(Übersetzt von Johannes Sabinski)
🌊 GenreEmotionaler Roman, Liebesroman, Nature Writing
💧 SchauplatzWestküste Kanadas / Hale’s Landing
🐋 Passend für Fans vonPoetic Fiction, emotionalen Familiengeschichten & Naturthemen

Interview: Kelly Anderson im Gespräch über "Das Jahr der Wale"

Portrait von Kelly Anderson
© Nicola Toon
Kelly Anderson

Dr. Kelly Anderson ist Assistenzprofessorin an der University of Toronto und Ärztin. Sie absolvierte unter der Leitung von Meg Wolitzer und Christina Baker Kline das Bookends Novel Fellowship und ist zertifizierte Schreibtrainerin. Mit ihrer preisgekrönte Non-Profit- ...

Zur AutorinBücher von Kelly Anderson

Frage: Was bedeutet das Meer für Sie persönlich, und wie prägt diese Verbindung Ihr Erzählen?

Kelly Anderson: Ich habe meine Kindheit an den Stränden von British Columbia verbracht. Diese Landschaft hat schon sehr früh die Architektur meiner Vorstellungskraft geprägt, und fast alles, was ich schreibe, nimmt dort seinen Anfang. In meinen Teenagerjahren und Anfang zwanzig bin ich oft an eben diesen Stränden entlanggewandert und dachte mir: Alles ist gut, solange das Meer da ist. Daran habe ich geglaubt. Vielleicht glaube ich es heute noch. Der Ozean hat sich für mich schon immer lebendig, tröstlich und geheimnisvoll angefühlt.

Als Erwachsene wird unser Leben oft laut und viel zu hektisch, voller To-do-Listen, Zoom-Meetings und Wäscheberge. Unsere Smartphones bimmeln ständig, und wir ertrinken in unseren E-Mails. Wir verbringen weniger Zeit draußen. Oft haben wir das Gefühl, dass etwas fehlt, können es aber nicht benennen – genau dieses Gefühl war der Grund, warum ich dieses Buch geschrieben habe.

Es gibt so vieles, was wir über die Natur nicht wissen. Die Tiefsee zum Beispiel gehört zu den am wenigsten erforschten Orten der Erde; weite Teile davon wurden noch nie von einem Menschen gesehen. Es ist belebend, der Wildnis zu begegnen – sich in all die Teile der Natur hineinzufühlen, die wir noch nicht verstehen. Unsere Welt wird reicher, wenn wir dieses Geheimnis zulassen; wenn wir das Staunen darin spüren. Unsere Verbindung zur Natur – und unsere Fähigkeit, in der Wildnis intensiver und tiefer zu fühlen – ist gar nicht so sehr zerrissen, wie wir vielleicht glauben. Ich denke, sie existiert immer noch unter all unseren To-do-Listen und wartet nur darauf, dass wir wieder nach draußen gehen.

Eine Aquarell-Illustration zeigt einen großen Wal im tiefblauen Meer. Zwischen Kopf und Schwanzflosse des Wals steht der Text: "Wenn das Meer alles verändert. Wohin gehört dein Herz?".

Frage: Gab es eine persönliche Begegnung oder eine bestimmte Inspiration, die Sie dazu bewogen hat, über Wale zu schreiben?

Kelly Anderson: Vor Kurzem habe ich in einem Zeitungsartikel von Erin Anderssen im Toronto Globe and Mail diesen Satz über Wale gelesen: „Mit den Walen zu reisen … bedeutet, in den Tiefen der menschlichen Seele das Staunen, die Verantwortung und den Schmerz zu erfahren, die der Kern eines bedeutungsvollen Lebens sind.“ Dieses Gefühl bildet das Herzstück von Das Jahr der Wale.

Als Kind lebte ich quasi im Badeanzug, dachte mir Geschichten über majestätische Meeresbewohner aus und schrieb sie später auf Schreibblöcke. Wale wurden Teil des Romans, weil sie etwas verkörpern, das mich schon immer fasziniert hat: die Möglichkeit, dass es Formen der Kommunikation, Intelligenz und des Bewusstseins gibt, die auf eine schönere Weise existieren, als wir es uns im Rahmen des heutigen menschlichen Verständnisses überhaupt vorstellen können.

Frage: Wenn Sie einen Tag in den Schuhen einer Ihrer Figuren verbringen müssten, wer wäre das und warum? Welche Figur liegt Ihnen selbst am nächsten?

Kelly Anderson: Wahrscheinlich Annie! In einigen Interviews wurde ich schon gefragt, ob meine Hauptfigur Annie ich selbst bin – ob ich meine eigene Geschichte in die Fiktion hineingeschrieben habe. In der zweiten Hälfte des Romans ist sie eine Ärztin, die versucht, einen Weg zurück zu sich selbst zu finden. Annie ist nicht eins zu eins ich, aber sie zu schreiben war für mich eine Methode, mich in ein anderes Leben hineinzudenken. Ich habe tiefen Respekt vor der medizinischen Arbeit, aber ich habe meinen Job in der Notaufnahme aufgegeben, um diesen Roman zu schreiben. Ich praktiziere immer noch Medizin auf eine Weise, die für mich sinnvoll ist, aber durch einen anderen Blickwinkel und an Orten, an denen ich meinem eigenen inneren GPS folgen kann.

Frage: Woher stammte die ursprüngliche Idee für „Das Jahr der Wale“ und kam Ihnen die Handlung auf einen Schlag oder hat sie sich im Laufe der Zeit entwickelt?

Kelly Anderson: Als ich 2019 anfing, an dem Buch zu schreiben, ging ich in meinem eigenen Leben als Ärztin stillschweigend unter. An einem Wintermorgen, als ich gerade in meiner Einfahrt wendete, kam mir die Idee fast vollständig im Kopf zusammen – der Gedanke, dass Menschen sich in andere Dinge verwandeln können. Auch weil ich anfangs gar nicht wusste, wie man schreibt – mir fehlten das Handwerk und die literarischen Fähigkeiten –, hat es fünf Jahre und vier komplette Neufassungen gebraucht, bis daraus der Roman wurde, der er heute ist.

Offenes Buch "Das Jahr der Wale" von Kelly Anderson mit Wal-Illustration vor blauem Hintergrund mit dem Text 'Ein Debüt, das hohe Wellen schlägt'.

Frage: Wie viel von „Das Jahr der Wale“ ist aus der Realität gegriffen? Gibt es bestimmte Orte, Menschen oder Ereignisse, die die Leserschaft aus der realen Welt wiedererkennen könnte?

Kelly Anderson: Der Roman ist eine Fiktion. Aber die Darstellung der Küste von British Columbia basiert ganz klar auf meinen eigenen Erfahrungen! Ich wollte, dass sich Hale’s Landing so real wie möglich anfühlt, damit sich die Leserinnen und Leser genauso Hals über Kopf in diese Landschaft verlieben können wie ich jedes Mal, wenn ich im pazifischen Nordwesten bin. Ich liebe Liebesgeschichten, die einen ganz und gar gefangen nehmen und in weiten, wunderschönen Landschaften spielen. Genau so wollte ich die Kulisse für dieses Buch gestalten – eine Meereswelt, in die wir eintauchen können und bei der man das Gefühl hat, dass der Zauber dieses Ortes uns ganz allein gehört.

Frage: Eine medizinische Karriere, die Familie und das Schreiben eines Romans unter einen Hut zu bringen, ist keine kleine Leistung! Wie sah Ihre Schreibroutine aus und wie finden Sie die Harmonie zwischen diesen verschiedenen Welten?

Kelly Anderson: Ich gebe dem Schreiben absolute Priorität – für mich gilt „Das Wichtigste zuerst“, damit es im Alltag nicht untergeht. Ich stehe morgens früh auf, zwischen 5 und 6 Uhr, und koche mir einen starken Kaffee. Ich setze mich in jedem Fall an meinen Schreibtisch und zünde eine Kerze an. Ich benutze ausnahmslos dieselben Notizbücher und Stifte und schreibe immer mit der Hand. Manchmal schreibe ich nur eine To-do-Listen oder bringe einfach ungefiltert meine Gedanken aufs Papier. Aber die Routine, jeden Tag ein oder zwei Stunden dort zu sitzen, sorgt dafür, dass die Szenen am Ende doch geschrieben werden.

Ich habe dieses Buch nicht geschrieben, um „Schriftstellerin“ zu werden – ich hatte nie geplant, Belletristik zu verfassen. Ich sage immer, dass dieser Roman mir nichts schuldet und mir alles gegeben hat, weil das Schreiben das Einzige war, das mich zu mir selbst zurückgebracht hat. Es hat die Art und Weise verändert, wie ich mich durch alle anderen Bereiche meines Lebens bewege, einschließlich meiner Arbeit als Ärztin.

Es ist ein Privileg, nach meiner Schreibzeit meinem „Brotberuf“ in der Medizin nachzugehen. Medizin und Schreiben fühlen sich wie eine ganz ähnliche Arbeit an, da es sowohl Ärzten als auch Autoren zutiefst darum geht, Menschen zu verstehen. In der Medizin haben wir das Vorrecht, die ungeschminkteste, verletzlichste Version unserer Patientinnen und Patienten zu sehen – und das Arztsein besteht, wenn man es richtig macht, vor allem aus Zuhören.

Frage: Was hat Sie ursprünglich zum Schreiben und insbesondere zum Schreiben von Romanen gebracht, und was bedeutet das Schreiben für Sie?

Kelly Anderson: Ich denke, darauf bin ich schon in den vorherigen Fragen eingegangen – lassen Sie mich aber gerne wissen, wenn ich das noch weiter ausführen soll!

Frage: Was wünschen Sie sich, dass die Leserschaft aus Ihrem Roman mitnimmt?

Kelly Anderson: Ich hoffe, dass die Leserinnen und Leser das Buch mit dem Gefühl schließen, sich an etwas zu erinnern, das sie eigentlich schon immer wussten: dass wir zur Natur gehören, zueinander und zu den leisen Teilen unserer selbst, die wir manchmal vernachlässigen. Im Kern wirft dieses Buch Fragen auf, wer wir wirklich sind und wofür wir hier sind. Ich hoffe, Das Jahr der Wale erinnert die Menschen daran, dass Verwandlung immer möglich ist – dass wir uns in andere Dinge verändern können.

⭐🐋Fazit: Warum du "Das Jahr der Wale" lesen solltest

Kelly Anderson gelingt in "Das Jahr der Wale" ein meisterhafter Spagat zwischen einer mitreißenden Liebesgeschichte und einer poetischen Ode an die Natur. Der Roman berührt auf emotionaler Ebene und hinterlässt Bilder, die noch lange im Kopf bleiben.

 

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