Totensee
Thriller | Eines der aufregendsten Psychothriller-Debüts des Jahres 2026!
Zwischen menschlichen Abgründen und juristischen Grauzonen: Sophie Czerny über ihr Thrillerdebüt »Totensee« - Zusammenfassung Interview
1. Herausforderung beim Plotting
Die größte Herausforderung bestand für Sophie Czerny darin, die Plot-Twists zeitlich so präzise und nuanciert zu setzen, dass die Spannung hoch bleibt und die Wahrheit verborgen wird, ohne dass sich die Leserschaft am Ende hintergangen fühlt.
2. Figurenentwicklung & Einflüsse
Inspiriert von Stephen King legt Czerny großen Wert darauf, dass die Geschichte aus den Figuren und deren Schwächen heraus entsteht. Erst durch die emotionale Bindung zu den Charakteren gewinnt die Handlung an Tiefe und Bedeutung.
3. Die Hauptfigur Ada Sabel
Ada Sabel ist eine suspendierte Kommissarin, deren Tochter entführt wird. Da ihr niemand glaubt, greift sie aus Verzweiflung und Entschlossenheit zu extremen Mitteln. Ihr unerschütterlicher Glaube, dass nur sie ihre Tochter retten kann, treibt sie über moralische und körperliche Grenzen hinaus.
4. Emotionale Belastung beim Schreiben
Neben gründlicher Recherche zu Trauma und dessen psychischen Folgen verlangte die Darstellung von Adas Selbstverletzung und Kontrollverlust der Autorin auch emotional viel ab. Um die Verzweiflung glaubwürdig darzustellen, musste sie sich der Figur emotional sehr stark annähern.
5. Der Schauplatz Wien
Als gebürtige Wienerin nutzt Czerny den Kontrast zwischen dem prunkvollen Wien und seinen düsteren, abgründigen Seiten (wie dem Donaukanal). Wien dient als stimmungsvoller Ausgangspunkt für eine unterschwellige Bedrohung, die sich durch das gesamte Buch zieht.
6. Juristische Expertise und moralische Grauzonen
Ihre Ausbildung als Promovierte der Rechtswissenschaften und ihre Erfahrung als Anwältin halfen ihr bei juristischen Details. Wichtiger war jedoch die Erkenntnis, dass Realität selten schwarz-weiß ist. Diese moralischen Grauzonen und menschlichen Konflikte prägen die Dynamik des Romans.
7. Inspiration aus dem Alltag
Czerny schreibt bevorzugt in den frühen Morgenstunden. Die düstere Thematik der Entführung entsprang aus ihren eigenen Ängsten als Mutter – das Familienleben dient ihr somit als emotionale Inspirationsquelle für den Nervenkitzel der Geschichte.
Sophie Czerny im Interview zu ihrem Thrillerdebüt »Totensee«
Totensee ist Ihr erster Thriller.
Was war für Sie die größte Herausforderung beim Schreiben, insbesondere beim Konstruieren der Plot-Twists?
Beim Konstruieren der Plot-Twists ging es darum, die Wahrheit lange genug zu verbergen, ohne sie künstlich zu verstecken.
Entscheidend war dabei, welche Informationen ich wann preisgebe, um die Leserinnen und Leser zu überraschen, ohne dass sie sich am Ende betrogen fühlen.
Beim Timing solcher Wendungen kommt es oftmals auf Nuancen an – und genau darin lag die größte Herausforderung.
Sie erwähnen, dass Sie Ihre Vorliebe für Spannungsliteratur Stephen King zu verdanken haben.
Gibt es bestimmte Elemente oder Kniffe des „Master of Horror“, die Sie bewusst in Ihr Debüt Totensee integriert haben?
Bewusst übernommen habe ich keine konkreten Kniffe.
Was mich an Stephen King aber immer beeindruckt hat, ist seine Fähigkeit, Figuren mit all ihren Schwächen und Widersprüchen lebendig werden zu lassen.
Erst wenn einem die Charaktere ans Herz wachsen, werden ihre Hoffnungen und Ängste bedeutsam.
Das hat meinen Zugang zum Schreiben beeinflusst. Auch in Totensee entwickelte sich die Geschichte aus den Figuren heraus.
Niemand glaubt der suspendierten Kommissarin vom LKA Wien, dass ihre Tochter entführt wurde.
Was macht Ada Sabel zu einer Ermittlerin, die bereit ist, alle Grenzen zu überschreiten?
Das Verschwinden ihrer Tochter setzt bei Ada ungeahnte Kräfte frei.
Hinzu kommt, dass sie sich nicht mit einfachen Antworten zufrieden gibt. Als ihr niemand glaubt, wird ihre Hartnäckigkeit zur treibenden Kraft.
Sie lässt sie körperliche und moralische Grenzen überschreiten, die andere längst akzeptiert hätten. Da sie überzeugt ist, dass nur sie ihre Tochter noch retten kann, ist sie bereit, alles aufs Spiel zu setzen.
Ada Sabel befindet sich am absoluten Tiefpunkt und verletzt sich selbst.
Wie intensiv war die Recherche oder das Hineinfühlen in eine so tief traumatisierte und verzweifelte Figur?
Die Recherche zum Thema Trauma und seinen psychischen Folgen war enorm wichtig, aber sie war nur ein Teil der Arbeit.
Die eigentliche Herausforderung bestand darin, mich in eine Mutter hineinzuversetzen, die zwischen Hoffnung und Verzweiflung gefangen ist.
Besonders herausfordernd war das Verfassen der Szenen, in denen Ada die Kontrolle verliert und ihr Schmerz nach außen dringt.
Um sie glaubwürdig schreiben zu können, musste ich mich emotional sehr nah an die Figur heranwagen.
Das geht auch an mir als Autorin nicht spurlos vorbei.
Die Leiche wird am Wiener Donaukanal gefunden.
Warum haben Sie sich für Wien als Kulisse für diesen düsteren Thriller entschieden?
Welche Rolle spielt die Atmosphäre der Stadt in Ihrem Roman?
Als gebürtige Wienerin kenne ich die Stadt in all ihren Facetten.
Wien hat neben ihrem Prunk auch eine sehr düstere, abgründige Seite. Der Donaukanal, der mitten durch die Stadt fließt, passte für mich wunderbar zu dieser Atmosphäre. Beim Schreiben hatte ich sofort das Bild eines scheinbar harmlosen Ruderboots vor Augen, das ein dunkles Geheimnis birgt.
Wien ist der Ausgangspunkt der Geschichte und prägt die Atmosphäre von Beginn an.
Diese unterschwellige Bedrohung begleitet die Leserinnen und Leser jedoch weit über die Stadtgrenze hinaus.
Sie haben in Rechtswissenschaften promoviert und als Anwältin gearbeitet.
Wie viel von Ihrer juristischen Expertise und Ihren echten Erfahrungen aus der Rechtswelt ist in die Geschichte und die Figur der suspendierten LKA-Kommissarin eingeflossen?
Meine juristische Ausbildung hat mir natürlich bei den Verfahrensabläufen und rechtlichen Details geholfen.
Noch prägender war jedoch meine Zeit als Anwältin. Sie hat mir gezeigt, dass das Leben selten schwarz-weiß ist und hinter jeder Geschichte mehrere Wahrheiten stehen können.
Diese menschlichen Konflikte und moralische Grauzonen finden sich auch in Totensee wieder.
Denn genau dort, wo die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen, wird es für mich als Autorin besonders spannend.
Sie leben mit Ihrer Familie im Herzen von Wien – einer Stadt mit hoher Lebensqualität.
Wie ist es, tagsüber das Familienleben zu genießen und sich abends an den Schreibtisch zu setzen, um über die Entführung eines Kindes und kopflose Leichen am Donaukanal zu schreiben?
Tatsächlich schreibe ich selten abends. Als ich mit Totensee begann, arbeitete ich noch Vollzeit als Anwältin und schrieb meistens in den frühen Morgenstunden. Bis heute ist diese ungestörte Zeit meine produktivste.
Die düsteren Geschichten entstehen dabei nicht trotz meines Familienlebens, sondern oft gerade deswegen.
Als Mutter gehört die Vorstellung, dass dem eigenen Kind etwas zustoßen könnte, zu den schlimmsten Ängsten überhaupt. Genau aus dieser Sorge heraus entstand die Geschichte von Ada Sabel und Totensee.
- Verlag: Knaur HC
- Erscheinungstermin: 01.09.2026
- Lieferstatus: Lieferzeit 1-2 Tage
- ISBN: 978-3-426-56819-4
- 448 Seiten
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