FIVE – Das Ticken der Zeit: Über die Grenzen einer Mutter
Wenn der Alltag als Mutter an die Substanz geht, reicht oft ein einziger Bruchteil einer Sekunde, um das Leben komplett auf den Kopf zu stellen. In ihrem psychologischen Roman „Five – Das Ticken der Zeit“ beleuchtet Ilona Bannister den schmalen Grat zwischen mütterlicher Hingabe und absoluter Überforderung. Erfahre im Artikel, wie ein Zwischenfall am Gleis das Schicksal von fünf unterschiedlichen Menschen unhaltbar miteinander verwebt.
Wenn die Mutterliebe an ihre Grenzen stößt
Ein Vorortbahnhof, ein neurodivergentes Kind und der beklemmende Alltag einer Alleinerziehenden
Es ist 7:01 Uhr an einem eiskalten Vorortbahnhof in Süd-London. Pendlerinnen und Pendler warten schweigend und frierend auf den Zug, tief versunken in ihre Handys und die eigene Erschöpfung. Mittendrin spielt sich ein Drama ab, das viele Mütter nur zu gut kennen: Ein neurodivergentes, verhaltensauffälliges Kind reißt sich los, rennt lachend auf die Bahnsteigkante zu und bringt sich in Lebensgefahr. Für den Bruchteil einer Sekunde – exakt 39 Hundertstelsekunden – schießt der erschöpften Mutter Emma ein tabuisierter, furchtbarer Gedanke durch den Kopf: Wenn ich ihn verlieren würde, wäre alles einfacher.
Mit dieser zutiefst ehrlichen und schmerzhaften Szene eröffnet Ilona Bannister ihren psychologischen Spannungsroman „Five – Das Ticken der Zeit“. Wer als Leserin oder Leser das ungeschönte, rohe Mutter-Kind-Drama sucht und Abgründe abseits der typischen Vorstadt-Idylle schätzt, kommt hier voll auf seine Kosten.
Mutterschaft ohne Romantik
Das Buch verwebt geschickt den Countdown bis zur Ankunft des Zuges mit Emmas Rückblenden. Einst war sie eine knallharte, extrem erfolgreiche Finanzmanagerin, die sich in einer männerdominierten Welt behauptete und sich bewusst dafür entschied, ihr Kind ganz allein, ohne Partner, großzuziehen. Doch die Realität der Mutterschaft bricht verheerend über sie herein.
Ihr sechsjähriger Sohn Gideon ist hochintelligent, aber unberechenbar und von extremer Verhaltensauffälligkeit geprägt. Die Autorin scheut sich nicht davor, die absolut dunklen Seiten der elterlichen Überforderung zu zeigen: Emma ist finanziell ruiniert durch endlose private Arzttermine, Therapien und Nannys, die kündigen, weil der Junge absichtlich in ihre Schuhe kotet. Sie verbringt ihre Nächte verbarrikadiert vor seinem Zimmer, nachdem er sie mit einem Stiletto-Absatz blutig geschlagen hat, wofür er keinerlei Reue empfindet.
Emma ist völlig isoliert, ausgebrannt und klammert sich an winzige, verzweifelte Fluchten – wie das Bestellen teurer Designer-Kleider im Internet, die sie nachts betrunken in der Küche anprobiert, nur um sie am nächsten Tag wieder zurückzuschicken, weil ihr das Geld fehlt.
Der gnadenlose Blick der Gesellschaft
Am Bahnsteig kulminiert Emmas täglicher Kampf mit den Erwartungen der Gesellschaft. Während Gideon schreit und wild um sich tritt, spürt Emma die missbilligenden, verurteilenden Blicke der anderen.
Die 78-jährige Passantin Mrs Worth mustert sie herablassend und hält Emma schlicht für eine unfähige, nutzlose Mutter, deren Kind keine Manieren hat. Bannister seziert hier brillant den extremen Druck auf alleinerziehende Mütter.
Das Buch zwingt den Leser, die Empathielosigkeit einer Gesellschaft zu hinterfragen, die zwar das schreiende Kind und die unfrisierte Mutter sieht, sich aber nicht für deren stille Verzweiflung interessiert.
Nur ein Teil eines tödlichen Puzzles
Obwohl Emmas Situation am Bahnsteig den hochemotionalen Auftakt bildet, ist sie nur eine von fünf Hauptfiguren, deren Leben in „Five – Das Ticken der Zeit“ beleuchtet werden. Der Roman widmet jedem der Anwesenden am Gleis den Raum, den seine Geschichte verdient:
- Emma: Die erschöpfte Mutter, die um die Zukunft ihres Sohnes ringt.
- Liam: Der erfolgreiche Geschäftsmann, dessen Kontrollzwang und verwickelte Vergangenheit ihn auf die Schienen treiben.
- Mrs Worth: Die 78-jährige, verschlossene Ex-Pathologin, deren eigene Kindheitstraumata sie bis heute verfolgen.
- Sonny: Der 27-jährige Mann im Nadelstreifenanzug, der verzweifelt gegen seine Spielsucht und Schulden ankämpft.
- Der Medizinstudent: Ein junger Krankenpfleger aus Ostafrika, der trotz eigener Kriegserfahrungen Zivilcourage beweist.
Im Verlauf der Handlung erfahren Leser*innen Schritt für Schritt mehr über die Hintergründe, Geheimnisse und Motivationen aller Beteiligten. Erst durch das Zusammenspiel dieser fünf Lebenswege fügt sich das komplexe Puzzle der entscheidenden fünf Minuten am Bahnsteig zusammen.
Eskalation am Bahnsteig
Innerhalb weniger Minuten eskaliert die morgendliche Situation:
Der dominante Liam mischt sich ein, um Emma unter Druck zu setzen. Ein Handgemenge entbrennt. Gideon springt auf Liams Rücken, beißt ihn blutig und Emmas Mobiltelefon fliegt auf die Schienen. Die Zeit rast, ein Feueralarm schrillt, Panik bricht aus und auf der Anzeigetafel blinkt gnadenlos das Wort VERSPÄTET.
Als der Zug schließlich mit lautem Warnsignal heranrast, offenbart sich Emmas wahrer mütterlicher Instinkt. Inmitten des absoluten Chaos und trotz all der erlittenen Qualen stürzt sie sich vor, um ihren Sohn unter Einsatz ihres eigenen Lebens von der Bahnsteigkante wegzuzerren.
Ein psychologisches Kammerspiel aus fünf Perspektiven
„FIVE – Das Ticken der Zeit“ von Ilona Bannister ist weit mehr als ein klassischer Thriller – es ist ein psychologisches Kammerspiel aus fünf Perspektiven.
Die Geschichte berührt durch Ehrlichkeit und präzise Beobachtungsgabe. Es zeigt, wie dünn das Eis der alltäglichen Beherrschung sein kann, wenn Schlafmangel, finanzielle Sorgen und gesellschaftliche Erwartungen aufeinandertreffen. Durch die Verflechtung aller fünf Figuren regt das Buch zum Nachdenken über Empathie, Vorurteile und die eigenen Grenzen an.
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- Verlag: Droemer HC
- Übersetzt von: Claudia Max
- Erscheinungstermin: 03.08.2026
- Lieferstatus: Lieferzeit 1-2 Tage
- ISBN: 978-3-426-56680-0
- 320 Seiten
- Verlag: Droemer eBook
- Übersetzt von: Claudia Max
- Erscheinungstermin: 01.07.2026
- Lieferstatus: Sofort per Download lieferbar
- ISBN: 978-3-426-56681-7
- 320 Seiten